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Wild und gewagt spielen - Risky Play und Naturpädagogik

Kinder brauchen Freiräume, um sich gesund zu entwickeln – körperlich, emotional und sozial. Risky Play - risikobehaftete Spiel - ist dabei ein zentraler Entwicklungsfaktor. Die Natur ist ein idealer Erfahrungsraum, in dem Kinder lernen können, mit Unsicherheiten umzugehen, ihre Grenzen zu erkennen und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Was ist Risky Play?

Der Begriff Risky Play beschreibt Spielhandlungen von Kindern, die mit einem wahrnehmbaren Risiko verbunden sind – also Situationen, in denen Kinder sich selbst herausfordern, sich möglichen Gefahren aussetzen und in denen ein gewisser Nervenkitzel oder Kontrollverlust erlebt wird. Dabei handelt es sich nicht um unüberlegtes oder leichtsinniges Verhalten, sondern um alters- und entwicklungsgemäße Erkundung von Grenzen – körperlich, emotional und sozial.

Der Begriff wurde maßgeblich durch die norwegische Erziehungswissenschaftlerin Ellen Beate Hansen Sandseter geprägt. Sie identifizierte in ihren Studien sechs Hauptformen von Risky Play, die weltweit bei Kindern – unabhängig von Kultur oder Erziehungssystem – beobachtbar sind.

Welche Formen von risikobehaftetem Spiel lassen sich beoachten?

Diese Spielarten sind entwicklungspsychologisch hochrelevant. Sie ermöglichen es Kindern, mit Unsicherheit und Grenzerfahrungen umzugehen – zentrale Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben. Statt Risky Play als Gefährdung zu betrachten, verstehen wir diese Spielformen heute als Trainingsfeld für Risikokompetenz: Kinder lernen, Gefahr von Risiko zu unterscheiden und eigenverantwortlich zu handeln.

Natur als idealer Raum für Risky Play

Besonders wichtig ist: Kinder suchen solche Erfahrungen aktiv. Studien zeigen, dass Kinder, denen riskantes Spiel verwehrt wird, entweder unsicher im Umgang mit realen Risiken bleiben – oder sich später unkontrollierter in gefährlichere Situationen begeben.

Die Natur bietet ideale Bedingungen für risikobehaftetes Spiel: unwegsames Gelände, Kletterbäume, Wasserläufe, Stöcke und Steine sind keine Gefahrenquellen, sondern Lernmaterialien. In der Naturpädagogik geht es nicht um "sicheres Bespaßen", sondern um eigenständiges Entdecken, Improvisieren und Ausprobieren – stets begleitet von achtsamer Beobachtung statt Einmischung. Kinder lernen in der Natur, Entscheidungen zu treffen, mit Herausforderungen umzugehen und Verantwortung zu übernehmen.

Risky Play und pädagogische Arbeit

Pädagogische Fachkräfte erleben beim Thema Risky Play häufig Unsicherheit. Sie stehen vor der Herausforderung, Risiken einzuschätzen und gleichzeitig die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Oft besteht Sorge vor Verletzungen, Haftungsfragen oder negativen Reaktionen durch Eltern. Diese Unsicherheiten führen dazu, dass riskantes Spiel im Alltag eingeschränkt oder ganz vermieden wird. Durch Fortbildungen können Fachkräfte ihre Einschätzungskompetenz stärken und Risky Play sicher begleiten. In unseren Fortbildungen geht es zwar selten explizit um Risky Play, aber wir beschäftigen uns einen Gutteil der Zeit trotzdem damit. Klettern, schnitzen und mit Werkzeug hantieren, auf der Slackline balancieren, mit Feuer und Wasser spielen - all dies sind tagtägliche Elemente unserer Arbeit, und wir teilen dieses Wissen gern :-)

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