Die Gestaltung von Freigeländen nach dem Dillinger Modell - vom Spielplatz zum Bildungsraum
Ursprung und Leitidee
Das Dillinger Modell entstand in den 1990er-Jahren an der Bayerischen Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen. Ausgangspunkt war eine einfache, aber entscheidende Frage: Wie müssen Freiflächen gestaltet sein, damit Kinder nicht nur „beschäftigt“, sondern in ihrer körperlichen, geistigen, sozialen und kreativen Entwicklung gefördert werden? Das Modell ist kein festes Baukastensystem, sondern ein Planungs- und Beteiligungskonzept. Es betrachtet den Kita-Außenbereich nicht als fertiges Produkt, sondern als offenen Entwicklungsprozess, bei dem pädagogische Fachkräfte, Kinder und Eltern gemeinsam Ideen umsetzen.
Vier Funktionsbereiche in Balance
Das Modell empfiehlt eine funktionale Gliederung von Freigeländen in vier Bereiche sich in, die miteinander in Balance stehen sollen:
- Spiel & Bewegung: Bewegung soll aus eigener Initiative entstehen – nicht durch vorgegebene Spielgeräte allein. Geeignet hier sind z. B. Geländeformen, Kletterelemente, Wasserläufe, Balancierbalken, Seilgärten, Kletterbäume.
- Naturerleben & Ökologie: Kinder sollen Natur nicht nur sehen, sondern riechen, fühlen, schmecken – und verstehen, wie sie funktioniert, z. B. durch Wiesen, Wildblumenbeete, Kräutergärten, kleine Teiche, Insektenhotels, Vögel und Kleintiere.
- Ruhe & Rückzug: diese Zonen fördern Kommunikation, Selbstregulation und bieten Sicherheit im turbulenten Kita-Alltag, umsetzbar z. B. geschützte Ecken mit Sträuchern oder Hecken, Weidentipis, kleine Sitzgruppen aus Naturmaterialien.
- Kunst & Gestaltung: Kinder sollen selbst kreativ tätig werden und sichtbare Spuren hinterlassen können. Hier wären z. B. eine Bewegungsbaustelle, bemalte Steine, Holzskulpturen, Holz und Werkzeug oder (Natur)Bastelmaterial denkbar.
Partizipation
Ein zentraler Pfeiler ist die Partizipation. Die Gestaltung beginnt mit einer Bedarfsanalyse, die aber natürlich nicht mit Stift und Fragebogen, sondern mit Ortsbegehungen, Zeichnungen, Rollenspielen und Modellen aus Knete oder Naturmaterialien durchgeführt wird. Besonders Geländemodelle sind sehr gut geeignet, um daraus neue Ideen und kleine Projekte zu entwickeln, mit denen ein Freigelände deutlich aufgewertet werden kann.
Pädagogischer Mehrwert für Teams
Das Dillinger Modell bietet Erzieher:innen einen klaren Rahmen:
- Bewegungsförderung, Sprachentwicklung, Sozialkompetenz und naturwissenschaftliches Lernen finden täglich draußen statt.
- Projekte im Freiraum lassen sich leicht mit Bildungsplänen verknüpfen.
- Das Team entwickelt eine gemeinsame Haltung zu Raum und Bildung.
Fazit
Das Dillinger Modell macht deutlich, dass Freiraumgestaltung weit mehr ist als schöne Außendekoration. Sie wird zum Motor für kindliche Entwicklung und zu einem verbindenden Element zwischen Pädagogik, Natur und Kreativität. Wer Kinder an Planung und Umsetzung beteiligt, schafft nicht nur spannende Spielorte, sondern Lernräume, die nachhaltig wirken.
Das hat auch der Sächsische Landesjugendhilfeausschuss erkannt und deswegen eine Fachliche Empfehlung für eine bildungsfördernde Freiraumgestaltung herausgegeben, die sich sehr eng an das Dillinger Modell anlehnt und dazu auffordert, Außenbereiche von Kitas als integralen Bestandteil des pädagogischen Konzepts zu verstehen.
Unsere Workshops zur Freigeländeplanung führen wir auf dieser Grundlage direkt bei Ihnen vor Ort durch und versuchen dabei, in Ihrem Team einen kreativen Prozess des Nachdenkens über konkrete und machbare Verbesserungen des Geländes anzustoßen.
